Andreas Stückler
Demographischer Wandel und Krise der Arbeit
Warum die „Aktivierung“ der Alten zum Scheitern verurteilt ist
Vorbemerkung
Um den demographischen Wandel und die sogenannte „Alterung der Gesellschaft“ war es in den vergangenen Jahren vergleichsweise ruhig geworden. Mit der aktuellen „Remilitarisierung“ und den damit einhergehenden Einsparungen im Sozialbereich scheint jedoch auch dieses Thema allmählich wieder stärker in den Fokus zu rücken. Es ist jetzt wieder öfter und mit mehr Nachdruck zu hören, dass das Rentensystem nicht mehr wie bisher finanzierbar ist und endlich reformiert werden muss. Das schon seit Jahren sinkende Rentenniveau muss noch weiter gedrückt werden, vor allem aber sollen die Leute länger arbeiten und erst in einem höheren Alter in Rente gehen. Arbeiten bis ins hohe Alter – das ist heute wie damals, während der ersten Blütezeit des Demographie- und „Überalterungs“-Diskurses vor 20 Jahren, der Fluchtpunkt aller Reformanstrengungen zur Rettung des sozialen Sicherungssystems vor den drohenden demographischen Verwerfungen. Was dabei freilich stets außerhalb der Betrachtung bleibt (von Reflexion ganz zu schweigen), ist die in der Wertkritik schon seit langem diagnostizierte und analysierte „Krise der Arbeit“, d.h. die fortschreitende – mit dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz (KI) vermutlich auf ein noch höheres Niveau steigende – Wegrationalisierung von Arbeit durch Automatisierung und Digitalisierung.
Der vorliegende Beitrag bringt demographischen Wandel und Krise der Arbeit analytisch zusammen und veranschaulicht den illusorischen Charakter der in diesem Zusammenhang virulenten politischen Strategien. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um einen Artikel, der erstmals 2017 unter dem Titel „Aktives Altern und die Krise der Arbeit“ in der sozialwissenschaftlichen Zeitschrift Soziale Probleme veröffentlicht wurde. Er berücksichtigt aber auch zahlreiche substantielle Ergänzungen und Aktualisierungen, die für ein gleichnamiges Kapitel im Buch Kritische Theorie des Alter(n)s (Mandelbaum, 2024) vorgenommen wurden.
Arbeiten bis ins hohe Alter gegen den demografischen Wandel?
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer prognostizierten Alterung bzw. (in der Diktion so mancher medialer und populärwissenschaftlicher Erzeugnisse) „Überalterung“ der Gesellschaft ist seit Beginn dieses Jahrtausends ein Konzept auf oberster europäischer Ebene zur Problemlösungsstrategie Nummer eins avanciert: active ageing (vgl. European Commission 1999; OECD 2000; WHO 2002; Walker 2002; Boudiny 2013). 2012 wurde von der Europäischen Kommission das „Europäische Jahr des aktiven Alterns“ ausgerufen.[1] Diese alterspolitische Programmatik sieht eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, durch die der demografische Altersstrukturwandel, der den wissenschaftlichen Prognosen zufolge im Laufe des 21. Jahrhunderts, aufgrund von seit Jahrzehnten sinkenden Mortalitätsraten und zugleich schrumpfenden oder stabil niedrigen Geburtenraten, zu einer historisch beispiellosen Zunahme des Anteils älterer und einer entsprechenden Verringerung des Anteils jüngerer Menschen in der Bevölkerung führen wird[2], gesellschaftlich bewältigbar werden soll. Diese Maßnahmen umfassen beispielsweise die Erhaltung von Gesundheit bis ins hohe Alter durch Gesundheitsförderung und Prävention („healthy ageing“, WHO 2012), um die mit der „gesellschaftlichen Alterung“ verbundenen bzw. damit assoziierten steigenden Kosten für das Gesundheits- und Pflegesystem langfristig zu minimieren, oder die Förderung eines bürgerschaftlichen Engagements im Ruhestand, um so die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen zu stärken und dabei auch bislang brachliegende Potenziale Älterer gesellschaftlich zu nutzen.[3] Das Hauptaugenmerk liegt allerdings politisch auf einem längeren Verbleib der Menschen im Erwerbsprozess respektive einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters, was mit der enorm gestiegenen Lebenserwartung legitimiert wird, und wozu insbesondere auch und gerade der möglichst lange Erhalt von Gesundheit beitragen soll.
Das Hauptproblem des demografischen Wandels besteht aus dieser Perspektive in erster Linie darin, dass die statthabenden Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung einerseits zu einem Arbeitskräftemangel und damit zu einem sukzessiven Verlust an produktivem Potenzial führen (vgl. Arnds/Bonin 2003; Börsch-Supan 2009). Andererseits komme es, als unmittelbare Folge dieser Tendenzen, auch zu einer kräftigen Verschiebung im Verhältnis von erwerbstätiger und nicht-erwerbstätiger Bevölkerung, was mittelfristig die Finanzierbarkeit nicht nur des Pensionssystems, sondern des sozialen Sicherungssystems überhaupt, letztlich sogar den intergenerationellen Zusammenhalt gefährde (vgl. Bauernberger et al. 2009; Sachverständigenrat 2011; Torp 2015).
Die Strategie eines „aktiven Alterns“, vor allem verstanden als längerer Verbleib im Erwerbsleben, ist nun freilich einigermaßen voraussetzungsreich: Vor allem setzt sie eine auch in Zukunft hinreichend hohe Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft voraus, d.h. eine entsprechend hohe, im Vergleich zur Gegenwart zumindest gleichbleibende oder jedenfalls nicht signifikant sinkende Zahl an Arbeitsplätzen. Denn ein „aktives Altern“, im Sinne der politischen Programmatik, kann nur dann zur Lösung des Problems taugen, wenn die Menschen tatsächlich bis ins hohe Alter einer Erwerbsarbeit nachgehen können, und zwar ohne dabei andere Lohnabhängige aus der Arbeit zu verdrängen. Diese Grundbedingung des „aktiven Alterns“ gilt sowohl in Politik als auch Wissenschaft im Prinzip als gesetzt und unproblematisch, so dass dort die Frage, ob die gesellschaftlichen und insbesondere die arbeitsmarktbezogenen Voraussetzungen dafür
überhaupt gegeben sind, gar nicht oder zumindest nicht systematisch gestellt wird.[4] Scheitern kann von dieser Warte aus das „aktive Altern“ eigentlich nur daran, dass sich Unternehmen – wie von politischer und wissenschaftlicher Seite regelmäßig moniert wird (vgl. Brauer/Clemens 2010) – auch weiterhin altersdiskriminierend verhalten und Menschen ab einem gewissen Alter, das schon heute weit unterhalb der Pensionsgrenze liegt, entlassen bzw. nicht mehr einstellen. Oder daran, dass die Politik die Menschen weiterhin in unfreiwillige Passivität und Unproduktivität zwingt, indem sie notwendige Reformen des Pensionssystems nicht adäquat und rasch genug umsetzt und die Menschen wie bisher in einem Alter in den Ruhestand schickt, in dem sie statistisch gesehen noch gute zwei Jahrzehnte in guter Gesundheit und mit nach wie vor hohem Aktivitäts- und Produktivitätspotenzial vor sich haben (vgl. Europäische Kommission 2012). Eigentlich – so erscheint es im politischen und insbesondere wissenschaftlichen Diskurs – müsste das „aktive Altern“ nur noch konsequent umgesetzt werden, dann ist der demografische Wandel schon so gut wie bewältigt.
Auch auf Seiten der Kritiker des „aktiven Alterns“ kann dergleichen konstatiert werden, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Hier wird zwar kritisch (und phänomenologisch soweit zutreffend) auf den Zusammenhang des „aktiven Alterns“ mit den Logiken des neoliberalen, „aktivierenden“ Sozialstaats hingewiesen (dazu vor allem Lessenich 2008, 2009a; Dyk 2007; Dyk/Lessenich 2009a, 2009b; Denninger et al. 2014; Wegner 2014; Macnicol 2015)[5]; ein Zusammenhang, der wiederum mit einer Reihe neuer normativer Zwänge verbunden sei, die insbesondere aus einer Perspektive sozialer Ungleichheit einige sehr problematische Implikationen hätten (vgl. Lessenich 2009a; Holstein 1999; Holstein/Minkler 2003; Katz/Calasanti 2015). Auch wird das offen negative Altersbild hinter dem auf den ersten Blick so positiven, „altersfreundlichen“ neuen Diskurs des „aktiven Alterns“ dechiffriert, das ja im Grunde schon daran ersichtlich wird, dass „der wachsende Anteil älterer Menschen an der Gesellschaft im Sinne einer ‚Überalterung’ als Last diskutiert wird, die jedoch von den ressourcenstarken aktiven Alten selbst kompensiert werden könne, angesichts der durch sie selbst verursachten Belastung aber eben auch kompensiert werden müsse“ (Dyk/Lessenich 2009b, S. 37f., Herv. im Orig.). Aber auch hier scheint, bei aller triftigen Kritik, im Prinzip als fraglos vorausgesetzt zu werden, dass die Politik, tatkräftig unterstützt von weiten Teilen der Wissenschaft, mit dem „aktiven Altern“ ein konkretes und potentiell erreichbares Ziel verfolgt, wenn auch mit fragwürdigen Mitteln. Zwar wird durchaus darauf hingewiesen, dass die Wirksamkeit der „Altersaktivierung“ alles andere als eine ausgemachte Sache sei, weil ja nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden könne, dass sich die Leute tatsächlich hinreichend aktivieren lassen werden (vgl. Lessenich 2009b, S. 173; Denninger et al. 2014, S. 18f.). Das ist aber natürlich nicht gleichbedeutend damit, bereits die gesellschaftlichen Grundvoraussetzungen des „aktiven Alterns“ als solche in Frage zu stellen. Der immanenten Logik der gängigen Kritik zufolge könnte das „aktive Altern“ als Krisenmanagementstrategie durchaus, zumindest zeitweilig, funktionieren (mit entsprechenden sozialen Gestehungskosten, die zu kritisieren sind). Offen ist nur, ob es gegen allfällige Widerstände wirklich durchgesetzt werden kann. Die grundsätzliche Tauglichkeit der politisch eingesetzten Mittel selbst bildet jedoch keinen Gegenstand der kritischen Reflexion. Eher noch wird seitens der „Aktivierungskritik“, bei allen vorhandenen, teils beträchtlichen Unterschieden im Detail und in der jeweiligen kritischen Stoßrichtung, der Sinn und Zweck der Altersaktivierung überhaupt in Frage gestellt und befleißigen sich zahlreiche Kritikerinnen und Kritiker explizit oder implizit einer gewissen Entdramatisierungsrhetorik hinsichtlich des demografischen Wandels. Kritisiert wird dabei nicht nur die „demographische Aufrüstung“ (Kondratowitz 2009, S. 257) des Altersdiskurses, sondern ganz allgemein eine fortschreitende „Demographisierung des Gesellschaftlichen“ (Barlösius/Schiek 2007; in diesem Sinne auch Lessenich 2014; Messerschmidt 2015). Hier wird also tendenziell das ganze Problem als solches einfach aus der Welt diskutiert und der demografische Wandel auf eine diskursive Konstruktion von Politikern, Volkswirtschaftlern und Gerontologen reduziert, die in der Folge als Legitimationsgrundlage für eine neoliberale Altersaktivierungspolitik diene, die von der Politik als alternativlos ausgegeben werde und im Endeffekt auf die Abschaffung des Ruhestands überhaupt hinauslaufe (vgl. Lessenich 2013). Dabei wird übersehen, dass der demografische Wandel – so berechtigt und notwendig die Kritik an der oft genug an Hysterie grenzenden politischen und medialen Demografiedebatte auch ist (vgl. prominent Birg 2001; Schirrmacher 2004) – für kapitalistische Gesellschaften und deren Institutionen, insbesondere den Wohlfahrtsstaat, durchaus ein reales Problem darstellt. Das zu negieren und den in der Tat gegebenen Sachzwangcharakter des demografischen Wandels nicht zur Kenntnis zu nehmen, bedeutet daher im Grunde nichts anderes, als das Problem der „Demografisierung“ und der darauf aufbauenden Altersaktivierung schon von Grund auf zu verfehlen (vgl. hierzu meine Kritik in Stückler 2019a). Die Alternative zur allgegenwärtigen Dramatisierung des demografischen Wandels kann deshalb nicht einfach in seiner Entdramatisierung, sondern nur in der gesellschaftstheoretisch fundierten, analytischen Vermittlung demografischer Diskurse mit den Form- und Strukturprinzipien kapitalistischer Gesellschaften bestehen. Nur so kann die gesellschaftliche Rolle und Bedeutung solcher Diskursphänomene hinreichend erfasst werden. Oder anders formuliert: Nicht die Sachzwanglogik der politischen Bewältigungsstrategien ist primär zu kritisieren – diese entspricht durchaus dem Wesen des mit dem demografischen Wandel aufgeworfenen Problems; zu kritisieren wäre vielmehr eine (von den Menschen selbst hervorgebrachte) gesellschaftliche Struktur, die aus sich selbst heraus Sachzwänge dieser Art gebiert, denen sich die
Menschen im Interesse der Systemerhaltung unterwerfen müssen.[6]
Was also seitens der „Aktivierungskritik“ in Frage gestellt wird, sind sowohl die Mittel als auch der Zweck einer aktivierenden Alterspolitik, nicht aber das Verhältnis zwischen beiden sowie deren materiell-ökonomische Grundlagen. So wie Politik und Mainstream-Gerontologie davon ausgehen, dass die „Rückholung der Alten in die gesellschaftliche Verwertung“ (Amann et al. 2010, S. 47) die demografischen Herausforderungen zu lösen verspricht, so wird eben diese (Wieder-)Verwertung bzw. (Re-)Aktivierung von anderer Seite aufgrund ihrer politischen Sachzwanglogik und ihrer problematischen Implikationen sowie befürchteten sozialen Nebenwirkungen kritisiert, ohne dass dabei die politisch unterstellten (Wirkungs-)Voraussetzungen des „aktiven Alterns“ als solche problematisiert würden.
Was aber – so die im Folgenden aufzuwerfende und zu behandelnde Frage –, wenn diese Voraussetzungen schon von vornherein gar nicht gegeben sind, wie von allen Beteiligten an der Debatte, sei es nun positiv oder negativ, unterstellt wird? Und welche Konsequenzen hätte dies sowohl mit Blick auf die weitere Umsetzung einer aktivierenden Alterspolitik als auch auf den weiteren Verlauf der demografischen Problematik, die durch ein „aktives Altern“ bewältigt werden soll?
Das Verschwinden der Arbeit
Als Grundvoraussetzung für ein „aktives Altern“ (im Sinne eines längeren Verbleibs im Erwerbsleben) bzw. dafür, dass ein „aktives Altern“ als erfolgversprechende Strategie zur Bewältigung der mit dem demografischen Wandel assoziierten Herausforderungen betrachtet werden kann, wurde eingangs eine auf lange Sicht ausreichend große Zahl an Arbeitsplätzen definiert. Denn nur so wäre gewährleistet, dass Menschen auch im höheren Alter noch im Erwerbsprozess verbleiben können und auf diese Weise das soziale Sicherungssystem entlastet würde. Es wurde ebenfalls bereits darauf hingewiesen, dass eine hinreichende Menge an (insbesondere für ältere Menschen geeigneten) Arbeitsplätzen auch innerhalb der Gerontologie als Grundbedingung eines „aktiven Alterns“ weitgehend konsensfähig ist. Wie sieht es aber nun mit dieser unabdingbaren Grundvoraussetzung eines „aktiven Alterns“ aus?
Zahlreiche Studien prognostizieren einen rapiden Verlust von Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten aufgrund von fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung. In einer erstmals 2013 veröffentlichten Studie von Carl Benedict Frey und Michael A. Osborne von der University of Oxford werden etwa Rationalisierungs-, sprich Arbeitseinsparungspotenziale durch den Einsatz neuer digitaler Technologien prognostiziert, durch die in den USA bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze wegfallen könnten (Frey/Osborne 2017). Eine Studie von Jeremy Bowles von der London School of Economics geht für die EU sogar von einem Verlust von 54 Prozent der Arbeitsplätze in den kommenden 15 bis 20 Jahren aus (Bowles 2014). Die prognostizierte digitale Arbeitsplatzrationalisierung soll sich dabei auch nicht allein auf den ohnehin seit Jahrzehnten schrumpfenden produktiven Sektor (Industrie) beschränken, sondern wird zunehmend auch andere, bislang weniger tangierte Bereiche wie den Dienstleistungssektor (Logistik, Finanz- und Bankwesen etc.) oder die Verwaltung betreffen. Zwar handelt es sich bei den hier zitierten Studien um die mit Abstand pessimistischsten und fallen zahlreiche andere Prognosen weitaus moderater aus, wenngleich auch diese sich immer noch auf einem Niveau bewegen, das gravierende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt erwarten lässt. So ging etwa eine Studie der OECD aus dem Jahr 2016 davon aus, dass in Österreich bald jeder achte Job durch eine Maschine erledigt werden könnte.[7] Auf vergleichbare Ergebnisse kam eine – ausdrücklich kritisch gegen die Prognosen von Frey/Osborne gerichtete – Untersuchung von Holger Bonin und Kollegen vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (vgl. Bonin et al. 2015). Auch sagen die meisten Prognosen nicht nur Verluste, sondern auch die Entstehung neuer Arbeitsplätze voraus, die aus der Entwicklung und dem Einsatz digitaler Technologien resultieren sollen. Deren Zahl liegt allerdings durchgehend weit unterhalb der mit diesen Technologien assoziierten Arbeitseinsparungen. In einem Bericht des World Economic Forum aus dem Jahr 2016 wird davon ausgegangen, dass in den 15 führenden Industrieländern innerhalb der kommenden fünf Jahre 7,1 Millionen Jobs verloren gehen würden, während rund zwei Millionen neuer Arbeitsplätze entstehen könnten (vgl. World Economic Forum 2016). Generell ist in der Beurteilung solcher Prognosen über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt eine gewisse Vorsicht angebracht, da oftmals nur schwer abschätzbar ist, ob Digitalisierungsprozesse überhaupt so umfassend und reibungslos umsetzbar sind, wie sie in der Regel angekündigt werden, zumal digitale Technologien im Allgemeinen relativ störanfällig sind oder auch schlicht nicht immer halten, was sie versprechen (vgl. Becker 2017).
Auf der anderen Seite ist zu konstatieren, dass auch die „offiziellen“ Prognosen in jüngster Zeit pessimistischer ausfallen. In einem Bericht aus dem Jahr 2023 sieht etwa die OECD bereits jeden vierten Job durch fortschreitende Automatisierung gefährdet.[8] Hinzu kommt, dass selbst die pessimistischsten Prognosen zumeist nur direkte, aber keine indirekten Effekte der Digitalisierung erfassen. So gehen Frey/Osborne in ihrer Studie davon aus, dass von den prognostizierten Arbeitseinsparungen durch Digitalisierung am wenigsten Berufsgruppen wie Sozialarbeiter oder Handwerker betroffen sein werden. Mit Blick auf direkte Rationalisierungseffekte erscheint diese Prognose in der Tat nicht unrealistisch – nur ist damit natürlich noch lange nicht gesagt, dass diese Berufsgruppen nicht indirekt durch die Digitalisierung betroffen sein könnten. Sollten durch die Digitalisierung auch nur annähernd so viele Arbeitsplätze wegfallen, wie Frey/Osborne vorhersagen, so würde dies ja auch einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit bedeuten, wodurch letztlich die staatlichen Einnahmen aus Lohnsteuern ebenso rapide zurückgehen würden. Dies hätte sehr wahrscheinlich Sparmaßnahmen zur Folge, die der Staat bekanntlich schon traditionell und mit Vorliebe zuallererst im Sozialbereich vornimmt – was entsprechende Auswirkungen auf die Jobsituation in diesem Bereich hätte. Auch mit Blick auf den Bedarf an Handwerkern fragt sich, ob hier nicht ebenfalls von wesentlich stärkeren Auswirkungen auszugehen wäre, denn unter der einbrechenden Kaufkraft einer in großem Maßstab arbeitslos gewordenen Bevölkerung hätte wohl ohne Zweifel auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von Handwerkern entsprechend zu leiden. Zumindest von solchen indirekten Effekten wären wohl schließlich auch neuere Formen der „Wissensarbeit“ und der „immateriellen Arbeit“ nicht ausgenommen, die heute im Allgemeinen als „Arbeit der Zukunft“ in einer digitalisierten Welt gehandelt werden. Denn auch diese hängen häufig von staatlicher Alimentierung und damit von der Besteuerung anderswo geleisteter Arbeit ab. Dies gilt etwa für weite Teile des Wissenschaftsbetriebs, der entweder staatlich oder durch andere öffentliche oder private Gelder (Drittmittel) finanziert wird. So gesehen – und unter Berücksichtigung sowohl von direkten als auch indirekten Effekten der Digitalisierung – könnten sich also selbst die pessimistischsten Prognosen durchaus noch als zu optimistisch erweisen.
Wie rasch und umfassend sich der Arbeitsplatzverlust durch Digitalisierung vollziehen wird, ist also schwer zu prognostizieren und wird sich empirisch in den nächsten Jahren herausstellen müssen. Relativ deutlich scheint hingegen die gesellschaftliche Tendenz zu sein, die sich mit der Digitalisierung abzeichnet: Unter Bedingungen fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung wird Arbeit zusehends obsolet. Auf dem erreichten Stand der Technologieentwicklung und der Produktivität wird immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt und in immer schneller aufeinanderfolgenden und immer umfassenderen Automatisierungswellen buchstäblich „wegrationalisiert“. Die Konsequenzen dieser Entwicklungen, wenn sie auch nur annähernd in den prognostizierten Dimensionen stattfinden, liegen unmittelbar auf der Hand, nämlich strukturelle Massenarbeitslosigkeit im großen gesellschaftlichen Maßstab.
Für diese Prognose spricht nicht zuletzt, dass die Tendenz zum sukzessiven „Wegrationalisieren“ von Arbeit alles andere als neu ist, also kein Problem darstellt, das sich erst heute mit der Digitalisierung ergibt, sondern im Grunde schon seit mehreren Jahrzehnten beobachtet werden kann; sie lässt sich im Prinzip bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen. In diese Zeit fällt das Einsetzen der sogenannten „dritten industriellen Revolution“ der Mikroelektronik, die vor allem mit der massentauglichen Entwicklung des Computers verbunden ist, der heute praktisch aus keinem Arbeitsbereich mehr wegzudenken ist. Auf der Basis der Mikroelektronik hat sich die wirtschaftliche Produktivität enorm gesteigert. So hat sich beispielsweise in Deutschland seit 1970 (laut den Daten des Statistischen Bundesamtes) die Produktivität in der Industrie verdreifacht, in der Landwirtschaft sogar versechsfacht (vgl. Ortlieb 2019, S. 315). Nicht zufällig fällt mit der Entstehung der Mikroelektronik zeitlich auch die Rückkehr der Arbeitslosigkeit zusammen. Die 1970er Jahre markieren bekanntlich das Ende der (ohnehin historisch nur kurz währenden) „Vollbeschäftigung“. In dieser Zeit begann sich ein Sockel struktureller (nicht mehr konjunkturabhängiger) Arbeitslosigkeit herauszubilden, der seither kontinuierlich gewachsen ist. Anders als dies noch in den Hochzeiten des Fordismus, quasi dem „goldenen Zeitalter des Kapitalismus“ (Hobsbawm), der Fall war, hat im sogenannten „Postfordismus“, wie das aktuelle „Produktionsregime“ eines digitalen, mikroelektronischen Kapitalismus genannt wird, die steigende Produktivität nicht zu einer vergleichbaren Zunahme an Arbeitsplätzen durch die Entstehung neuer Geschäftszweige oder die Erschließung neuer Märkte geführt. Vielmehr hat die Produktivität ein derart hohes Niveau erreicht, dass die neuen Technologien tendenziell mehr Arbeit überflüssig gemacht haben, als durch dieselben
Technologien an neuen Arbeitsplätzen entstanden sind (vgl. ausführlicher Kurz 2009, S. 622 ff.).[9]
Noch besser als an steigenden Arbeitslosenzahlen[10] lässt sich die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation seit den 1970er und 1980er Jahren an Indikatoren wie dem Arbeitsvolumen (der Summe aller in einem Jahr in einer Volkswirtschaft geleisteten Arbeitsstunden) oder der Zahl offener Arbeitsplätze in Relation zur Arbeitslosenzahl ablesen. In Deutschland etwa, das international aufgrund seiner Stellung als „Exportweltmeister“ lange Zeit noch vergleichsweise gut dastand, lag das Arbeitsvolumen im Jahr 2014 mit 58 Milliarden Stunden auf demselben Niveau wie im Jahr 2000 und deutlich niedriger als noch 1991. Und das zahlenmäßige Verhältnis von Arbeitslosen und offenen Stellen hat sich seit den frühen 1980er Jahren von 2:1 (auf eine offene Stelle kamen rechnerisch zwei Arbeitslose) auf 6:1 im Jahr 2014 verschoben. Zur Zeit der „Vollbeschäftigung“ in den 1960er Jahren war hingegen das Verhältnis von offenen Stellen und Arbeitslosen noch umgekehrt, damals gab es also mehr offene Stellen als Arbeitslose (vgl. Stückler 2019b, S. 7f.).
Eben dieser Prozess des sukzessiven „Verschwindens der Arbeit“ (Glaser 1988) setzt sich bis heute, mit zunehmender Geschwindigkeit, fort. Bereits 1982 hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie vor diesem Hintergrund einen Kongress dem Thema „Krise der Arbeitsgesellschaft“ gewidmet (vgl. Matthes 1983) – eine Fragestellung, die seither angesichts der statthabenden Entwicklungen immer wieder, wenn auch für gewöhnlich nicht in ihrer vollen Tragweite, aufgegriffen wird. So fokussieren etwa zahlreiche Erörterungen der „Krise der Arbeit“ auf einen potenziellen Sinnverlust, den das Ende der Arbeit für die Menschen bedeuten könnte, da ihr Leben und ihre Identität bislang hauptsächlich durch Arbeit geprägt gewesen sei, während gesamtgesellschaftliche Konsequenzen und aus der Krise der Arbeit resultierende Krisenpotenziale für das kapitalistische System als solches eher vernachlässigt werden (vgl. Dahrendorf 1983, Glaser 1988; Kurz/Rieger 2013). Andere verorten wiederum die „Krise der Arbeit“ primär in der seit Jahren voranschreitenden neoliberalen Deregulierung von Arbeitsverhältnissen anstatt im sich abzeichnenden Obsoletwerden von Arbeit selbst (vgl. Castel 2011). Die mit Abstand am häufigsten zu beobachtende Tendenz in Wissenschaft wie auch Medien besteht allerdings darin, die Krise der Arbeit überhaupt zu leugnen. Speziell vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren zirkulierenden Prognosen massiver Arbeitsplatzverluste durch Digitalisierung werden entsprechende Studien mit Vorliebe als Panikmache abgetan und wird beschwichtigend auf die arbeitschaffenden Effekte früherer industrieller Revolutionen (Dampfmaschine, Fließband) hingewiesen. Hier wird also davon ausgegangen, dass auch der aktuelle, bereits zur „vierten industriellen Revolution“ hochgerechnete Automatisierungsschub (Stichwort „Industrie 4.0“), wie schon alle anderen industriellen Revolutionen zuvor, nicht mit einem Verschwinden der Arbeit einhergehen, sondern auch weiterhin neue Arbeitsmöglichkeiten in großer Zahl hervorbringen wird (vgl. Evangelista et al. 2014; Autor 2015; Bonin et al. 2015; Wolter et al. 2015; Horx 2015; Arnold et al. 2016; Struck 2016; Flecker 2017, S. 217ff.). Es würde zu weit führen, diese Diskussionen mit ihren diversen Argumentationssträngen ausführlicher zu erörtern (siehe hierzu meine kritische Diskussion in Stückler 2019b, insbesondere S. 6ff.). An dieser Stelle ist es ausreichend, darauf hinzuweisen, dass das Verschwinden der Arbeit bereits seit längerer Zeit kontrovers diskutiert wird, eben weil es sich dabei im Grunde um kein neues Phänomen handelt, sondern dieses sich seit mehreren Jahrzehnten abzeichnet und heute mit der rasch voranschreitenden Digitalisierung offenbar ein neues Niveau erreicht.[11]
Die Krise der Arbeit als umfassende Systemkrise
Der wertkritische Philosoph und Gesellschaftstheoretiker Robert Kurz weist bereits seit vielen Jahren auf den konstitutiven Zusammenhang von mikroelektronischer Revolution und „Krise der Arbeit“ hin. Die Krise der Arbeit ist für ihn sogar gleichbedeutend mit einer Krise der kapitalistischen Produktionsweise insgesamt. In seinem Text Die Krise des Tauschwerts aus dem Jahre 1986 spricht Kurz in diesem Kontext von einer „absoluten logischen und historischen Schranke“ (Kurz 1986, S. 28), die der Kapitalismus mit dem zunehmenden Überflüssigwerden der Arbeit durch fortschreitende Automatisierung der Produktion erreiche:
„Sobald das Kapital die Wertschöpfung nicht mehr absolut ausdehnen kann durch Verlängerung des Arbeitstages, sondern nur noch seinen relativen Anteil innerhalb des geschöpften Neuwerts mittels Produktivkraftentwicklung zu steigern vermag, findet [...] eine gegenläufige Bewegung statt, die sich historisch selbst verzehren und auf den totalen Stillstand der Wertschöpfung selbst hinarbeiten und hinauslaufen muß. Mit der Produktivkraftentwicklung steigert das Kapital den Grad der Ausbeutung, aber es unterminiert damit Grundlage und Gegenstand der Ausbeutung, die Produktion des Werts als solchen. Denn [...] die Verwissenschaftlichung des stofflichen Produktionsprozesses schließt die Tendenz zur Eliminierung lebendiger unmittelbarer Produktionsarbeit als einziger Quelle der gesamtgesellschaftlichen Wertschöpfung ein.“ (ebd., Herv. i. O.)
Diese relativ abstrakten Formulierungen besagen, vereinfacht ausgedrückt, Folgendes: Der Kapitalismus neigt aufgrund seiner eigenen Verwertungslogik dazu, die Produktivität immer weiter zu erhöhen, was er (beziehungsweise die im Kapitalismus miteinander konkurrierenden Unternehmen) in erster Linie dadurch erreicht, dass menschliche Arbeitskraft sukzessive durch Maschinen ersetzt und so faktisch aus dem Produktionsprozess herausgenommen wird. Damit ist laut Kurz ein erhebliches Krisenpotenzial verbunden, da ja die Arbeit respektive deren Verwertung die Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens, gewissermaßen die „Substanz“ des Kapitals (Marx 1973, S. 53) bildet – eben deshalb ist die kapitalistische Gesellschaft ihrem Wesen nach eine „Arbeitsgesellschaft“. Dies kann so lange kompensiert werden, als durch neue Produktinnovationen, damit verbundene neue Geschäftsfelder und dergleichen ein hinreichendes Maß an (anderswo überflüssig gewordener) Arbeit in den Verwertungsprozess absorbiert wird. Mit der Mikroelektronik, so Kurz, beginnt nun allerdings die steigende Produktivität und damit die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen die Reabsorption von Arbeit
quantitativ und qualitativ mehr und mehr zu überholen[12] – mit den oben beschriebenen Konsequenzen von fortschreitendem Arbeitsplatzabbau und steigender Arbeitslosigkeit (dazu auch Ortlieb 2009).
Gerade in diesem zunehmenden Auseinanderklaffen von Produktivität und Arbeitsintensität erweist sich auch der grundlegende Denkfehler häufig in diesem Zusammenhang in Wissenschaft und Medien anzutreffender Gegenstimmen, die als Reaktion auf die zahlreichen
Prognosen hinsichtlich des bevorstehenden Arbeitsplatzabbaus beschwichtigend auf frühere industrielle Revolutionen hinweisen und auch in Zukunft von der Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze ausgehen. Wovon bei einer solchen Argumentation völlig abstrahiert wird, sind die gänzlich verschiedenen Produktivitätsniveaus, auf denen die bisherigen industriellen Revolutionen stattgefunden haben, und die daher nicht so ohne Weiteres mit der aktuellen mikroelektronischen beziehungsweise digitalen Revolution verglichen werden können. Industrielle Revolutionen, so wäre mit Kurz dagegen einzuwenden, wiederholen nicht jedesmal einfach ein und denselben Prozess der technologischen „Weiterentwicklung“, sondern vollziehen sich jedesmal auf neuer, erhöhter Stufenleiter. Wenn die Produktivität durch fortschreitende Automatisierung ein Niveau erreicht, wie das heute bei der Mikroelektronik der Fall ist, auf dem ja nicht einmal mehr die Produktion der neuen digitalen Trägertechnologien selbst noch besonders arbeitsintensiv ist[13], dann ist es durchaus nicht nur möglich, sondern sogar logisch, dass die Automatisierung einen Grad erreichen kann, auf dem Arbeit massenhaft überflüssig wird, ohne dass neue Arbeitsplätze in vergleichbarer Zahl hinzukommen.
Kurz greift in seinen durchaus kontroversen Thesen[14] insbesondere auf Überlegungen von Karl Marx zurück, der diese immanent kapitalistische Krisendynamik bereits im 19. Jahrhundert vorhergesehen und als „prozessierenden Widerspruch“ des Kapitalismus bezeichnet hat:
„In dem Maße aber, wie die große Industrie sich entwickelt, wird die Schöpfung des wirklichen Reichtums abhängig weniger von der Arbeitszeit und dem Quantum angewandter Arbeit, als von der Macht der Agentien, die während der Arbeitszeit in Bewegung gesetzt werden und die selbst wieder [...] in keinem Verhältnis steht zur unmittelbaren Arbeitszeit, die ihre Produktion kostet, sondern vielmehr abhängt vom allgemeinen Stand der Wissenschaft und dem Fortschritt der Technologie, oder der Anwendung dieser Wissenschaft auf die Produktion. [...] Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch (dadurch), daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren sucht, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt.“ (Marx 1983, S. 600, 601f.)
Damit, so Marx, müsse auf lange Sicht „die auf dem Tauschwert ruhnde [sic] Produktion zusammen[brechen]“ (ebd., S. 601).
Der „prozessierende Widerspruch“ besteht also darin, dass der Kapitalismus durch die Eliminierung von Arbeit aus dem Produktionsprozess seine eigene Substanz sukzessive aushöhlt. Indem der Kapitalismus kraft seiner eigenen Produktivitätsdynamik Arbeit zusehends überflüssig macht, untergräbt er seine eigenen Existenzgrundlagen, weil die Grundlage aller Kapitalverwertung nun einmal in der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft besteht. Kapitalismus ohne Arbeit ist ein Widerspruch in sich, menschenleere Fabriken ein logisches Unding, weil in ihnen keine Arbeit mehr verwertet, damit aber auch keine Wertschöpfung mehr stattfinden würde – und dennoch ist es seine eigene Verwertungsdynamik, die bewirkt, dass sich der Kapitalismus auf diesen eigentlich unhaltbaren Zustand hin entwickelt. Dieser von Marx so genannte „prozessierende Widerspruch“ scheint am Beginn des 21. Jahrhunderts allmählich reif zu werden.
„Aktives Altern“ und die Krise der Arbeit
Was bedeutet all das nun mit Blick auf ein „aktives Altern“, von dem sich sowohl Politik als auch Wissenschaft die Lösung der demografischen Problematik versprechen? Zunächst einmal erweist sich vor diesem Hintergrund bereits die im Kontext der Altersaktivierung
zugrunde gelegte Problembestimmung einer „alternden Gesellschaft“ als einigermaßen unpräzise, wenn davon ausgegangen wird, dass die Alterung der Gesellschaft infolge einer Abnahme gesellschaftlich verfügbarer Arbeitskraft einen Verlust produktiven Potenzials bedeute, dem es insbesondere durch einen längeren Verbleib in der Erwerbsarbeit entgegenzuwirken gelte. Aus der Perspektive einer sich gegenwärtig verschärfenden „Krise der Arbeit“ lässt sich vielmehr sagen, dass eher sogar das genaue Gegenteil zutreffend ist. Der demografische Wandel bedeutet durchaus keinen Verlust an produktivem Potenzial aufgrund eines zu erwartenden Mangels an verwertbaren Arbeitskräften. Denn die Produktivität erhöht sich stetig und derzeit immer schneller gerade durch die Einführung innovativer Fertigungstechnologien und den fortschreitenden Trend zur Automatisierung. Bei dem bereits erreichten und weiter steigenden Niveau der Produktivität durch Automatisierung und Digitalisierung wird die Wirtschaft daher in Zukunft sehr wahrscheinlich nicht mehr, sondern immer weniger Arbeitskraft benötigen. Das heißt, der prognostizierte Arbeitskräftemangel würde durch die enormen Produktivitätssteigerungen vermutlich ohne Weiteres kompensiert, wenn nicht sogar mittelfristig in sein Gegenteil, nämlich einen Arbeitskräfteüberschuss verwandelt. So ziemlich das letzte, was die kapitalistische Gesellschaft dann brauchen wird – entgegen allen anderslautenden Behauptungen von Politikern und Gerontologen – sind Menschen, die noch mit über 65 auf den Arbeitsmarkt strömen, um dort zu ständig prekäreren Konditionen ihre
Arbeitskraft zu verkaufen. Diese alterspolitische Strategie kann und wird bei der sich abzeichnenden Tendenz zur fortschreitenden Automatisierung nicht aufgehen – jedenfalls nicht, ohne dass dies auf Kosten anderer Segmente der Erwerbsbevölkerung gehen würde, insbesondere von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Arbeitslosenraten in manchen Ländern der EU schon heute zuweilen die 50-Prozent-Marke erreichen oder überschreiten (siehe in den vergangenen Jahren zum Beispiel Griechenland und Spanien). Und selbst dann wäre bei den oben skizzierten Aussichten immer noch und trotz allem von einer deutlich steigenden Altersarbeitslosigkeit auszugehen. Dies muss schon allein deshalb der Fall sein, weil bei einer konsequenten Erhöhung des Pensionsantrittsalters, worauf ja die angestrebte Verlängerung der Erwerbsphase hinausläuft, eine erhebliche Zahl bereits arbeitsloser älterer Menschen nicht mehr wie bisher in der Pension verschwinden wird, sondern stattdessen noch länger im Status der Arbeitslosigkeit verbleibt. Auf der anderen Seite werden wiederum
diejenigen stehen, die zwar noch den Luxus einer Beschäftigung haben, dafür aber auch entsprechend länger dem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, aufgrund ihres Alters arbeitslos zu werden. Und die Chancen dafür werden freilich so hoch sein wie niemals zuvor. Denn die Unternehmen werden bei dem in Zukunft vorherrschenden niedrigen und stetig weiter sinkenden Arbeitskräftebedarf keinen Grund haben, ihre altersdiskriminierenden Praktiken einzustellen, sondern auch weiterhin bevorzugt jüngere (und billigere) Arbeitskräfte einsetzen. So niedrig kann der Anteil jüngerer Menschen in der Bevölkerung durch den Altersstrukturwandel wahrscheinlich gar nicht werden, wie der Bedarf an Arbeitskräften sein wird bei den sich gegenwärtig offenbar rasant beschleunigenden Digitalisierungs- und Automatisierungstendenzen.
Das „aktive Altern“ ist also schon aus diesem Blickwinkel alles andere als eine (sowohl gesellschaftliche als auch individuelle) „Win-win-Situation“, wie Politik und Gerontologie seit Jahren zu versichern bemüht sind, mit der Begründung, dass die Möglichkeit einer (insbesondere beruflichen) Aktivität bis ins höhere Alter auch mit mehr Möglichkeiten zur individuellen Potenzialentfaltung und daher auch mit einer höheren Lebensqualität einhergehen würde.[15] Vielmehr handelt es sich um eine handfeste Lose-lose-Situation: Die Menschen werden genötigt sein, ihre Haut immer länger und bis in ein immer noch höheres Alter sprichwörtlich zu Markte zu tragen – aber niemand wird sie kaufen wollen. Was dem größten Teil älterer Menschen in Zukunft droht, ist daher nicht, wie Kritiker des „aktiven Alterns“ prophezeien, „Arbeiten ohne Ende“ (Lessenich 2013), sondern Arbeitslosigkeit ohne Ende, was unter kapitalistischen Prämissen wiederum nur mit einem Sinken, aber nicht mit einem Steigen von „Lebensqualität“ verbunden sein kann. An der demografischen Problematik wird sich hingegen, trotz aller Aktivierungspolitik, nichts Wesentliches geändert haben. Der einzige wirklich sichere Effekt der Altersaktivierung wird eine massive Zunahme von Altersarmut sein, wie sie die kapitalistische Gesellschaft zuletzt vor Einführung allgemeiner sozialer Sicherungs- und Pensionssysteme zu Beginn des letzten Jahrhunderts gesehen hat. Und tatsächlich steigt ja die Altersarmut schon seit einigen Jahren wieder dramatisch an.[16]
Umso zutreffender erweist sich vor diesem Hintergrund die andere Problembestimmung des Altersstrukturwandels, die gewissermaßen den zweiten Strang des Diskurses über die Herausforderungen der „gesellschaftlichen Alterung“ bildet: die befürchtete Unfinanzierbarkeit staatlicher Pensions- und Sozialsysteme durch eine „Überalterung“ der Gesellschaft. Hier entfaltet die Krise der Arbeit sozusagen eine weitere, ganz spezifische Variante des „prozessierenden Widerspruchs“ à la Marx: Die nachhaltige Finanzierung von Pensionssystemen steht existentiell infrage, wenn eine immer größere Zahl von nicht-erwerbstätigen älteren Menschen von einer immer kleineren Zahl arbeitender und in das System einzahlender jüngerer Gesellschaftsmitglieder erhalten werden muss. Erforderlich wäre daher (worauf die Altersaktivierung folgerichtig auch abzielt), die Menschen entsprechend länger in Beschäftigung zu halten. Aber eben genau das ist illusorisch, wenn der kapitalistischen Gesellschaft demnächst die Arbeit ausgeht. Ohne Arbeitsplätze keine Arbeit bis ins hohe Alter – das ist ein so simpler wie schwerwiegender Sachverhalt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der demografische Wandel historisch ausgerechnet mit dem Reifwerden des „prozessierenden Widerspruchs“ des Kapitals in der Krise der Arbeitsgesellschaft zusammenfällt, während er (systemimmanent) nur durch etwas bewältigt werden könnte, was die kapitalistische Gesellschaft gerade aus sich selbst heraus vernichtet: nämlich Arbeit.[17]
Dieses Problem wird sich auch nicht dadurch lösen lassen, wie in diesem Zusammenhang häufig behauptet wird, dass der demografische Wandel und die Zunahme alter Menschen in der Bevölkerung mit einem steigenden Bedarf an Pflegekräften einhergingen, wodurch für zahlreiche neue Arbeitsplätze (auch für ältere Arbeitnehmer) gesorgt werde. In diesem Zusammenhang wird ja eher sogar – im Sinne der These vom demografisch bewirkten Arbeitskräftemangel – das Gegenteil befürchtet, nämlich dass der steigenden Pflegenachfrage ein deutlich zu geringes Arbeitskräfteangebot gegenüberstehen wird. Hier gilt allerdings im Prinzip dasselbe, was bereits weiter oben ganz allgemein zum Sozialbereich gesagt wurde: Wenn bei fortschreitender Krise der Arbeitsgesellschaft und einem daraus resultierenden Wegbrechen von Lohnsteuern der Staat als Finanzier von Pflegeleistungen (die ja nicht bloß auf aktuellem Niveau erhalten, sondern ganz massiv ausgebaut werden müssten) tendenziell ausscheidet, wird auch das Jobangebot in der Pflege relativ überschaubar sein. Und aus eigener Tasche wird sich ein großer Teil der Bevölkerung keine professionelle Pflege mehr leisten können, wenn dieser erst seinen Job an eine Maschine verloren hat und einem kontinuierlich wachsenden Heer von Arbeitslosen angehört. Auch hier wird also keine kaufkräftige Nachfrage zu erwarten sein – auf die allein käme es aber an. Die Altenpflege werden dann wohl wieder vor allem Frauen in ihrer Rolle als Gattinnen, Töchter, Schwiegertöchter etc. übernehmen müssen – informell und unbezahlt.
Überhaupt ist anzunehmen, dass die Krise der Arbeit im Laufe der Zeit in großer Zahl Menschen freisetzen wird, die dann wieder, jedenfalls theoretisch, für den heute überwiegend unter dem Stichwort „Care“ zusammengefassten Reproduktionsbereich und damit assoziierte Tätigkeiten (Kinderbetreuung, Altenpflege etc.) zur Verfügung stehen werden. Auch in dieser Hinsicht erweisen sich die alterspolitischen Strategien, wonach ein „aktives Altern“ dazu dienen könne, die insbesondere durch die Normalisierung weiblicher Berufskarrieren bewirkte „Care-Krise“ zu lösen – etwa durch Enkelkinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe, freiwilliges Engagement etc. –, als nicht minder kurzsichtig als hinsichtlich des antizipierten (Lohn-)Arbeitskräftemangels: Es wird mittelfristig, mit Fortschreiten der Krise der Arbeit, durchaus nicht an Menschen fehlen, die für die Gesellschaft wichtige Care-Tätigkeiten leisten könnten – Tätigkeiten, die ja im Zuge des demografischen Wandels eher noch deutlich anwachsen werden (etwa durch steigenden Pflegeaufwand infolge des stark zunehmenden Anteils alter und hochaltriger Menschen in der Bevölkerung). Woran es allerdings fehlen wird, mangels Steuereinnahmen aus Lohn- und Konsumsteuern (die ja beide nur auf Erwerbseinkommen, also auf Arbeit, beruhen können), sind die finanziellen Grundlagen, um diese Aufgaben staatlich-politisch zu organisieren. Das werden die Menschen dann wieder großteils selbst in die Hand nehmen müssen, und dies wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in besonderem Maße Frauen betreffen, denen die Verantwortung über reproduktive Aufgaben in modernen Gesellschaften ohnehin traditionell übertragen wird (vgl. Scholz 2011). Tendenzen zur Abwälzung der Verantwortung über die Organisation entsprechender Leistungen von der öffentlichen Hand auf die Bevölkerung sind längst erkennbar, insbesondere in der sowohl allgemein als auch im Kontext des „aktiven Alterns“ massiv vorangetriebenen Propagierung und Förderung von Freiwilligenarbeit und Ehrenamt (vgl. Pinl 2013; Wegner 2014; Haubner 2017). Das ist also streng genommen gar keine Zukunftsmusik mehr: Der Staat hat seinen Rückzug bereits angetreten.
Was die Altenpflege und damit assoziierte oder erhoffte positive Effekte auf den Arbeitsmarkt infolge eines steigenden Bedarfs an Pflegekräften betrifft, so kommt zum absehbaren Finanzierungsproblem noch erschwerend hinzu, dass auch die Pflege längst ein Experimentierfeld für Automatisierungstechnologien geworden ist: Glaubt man Medien und Technikwissenschaft, sollen bald Pflegeroboter den steigenden Pflegebedarf bewältigen helfen und menschliche Pflegerinnen und Pfleger von ihrer Arbeit „entlasten“. Selbst wenn also die Krise der Arbeit nicht die finanziellen Grundlagen für den erforderlichen Ausbau der Altenpflege infrage stellen würde, könnte aufgrund der sich zunehmend auch auf den Pflegebereich erstreckenden Automatisierungstendenzen nicht mit der groß angelegten Schaffung neuer Arbeitsplätze gerechnet werden (jedenfalls nicht im antizipierten Ausmaß). Wie man es daher auch dreht und wendet: Die Digitalisierung
vernichtet direkt oder indirekt Jobs quer durch alle Bereiche und Berufsfelder. Die Pflege wird da keine Ausnahme bilden.[18]
Nicht weniger illusorisch sind aber auch die Vorschläge so mancher „Entdramatisierer“ des demografischen Wandels unter den sozialwissenschaftlichen Kritikern eines „aktiven Alterns“. Da bei diesen, wie schon ausführlich erörtert, eine gewisse Neigung vorherrscht, die Krisenpotenziale und den aus der kapitalistischen Struktur erwachsenden Sachzwangcharakter des demografischen Wandels zu negieren, ist mitunter die Versuchung groß, die Lösung des Problems unter anderem in der ständig steigenden ökonomischen Produktivität selbst zu suchen. Das Hauptargument dabei ist, dass eine immer größere nichtaktive, alte Bevölkerung von einer immer kleineren aktiven, jungen Bevölkerung in dem Maße mitversorgt werden könne, in dem eben die Produktivität steige (so z.B. Köster 2012). Ausgerechnet das Grundproblem und die eigentliche Ursache der sich heute immer deutlicher abzeichnenden „Krise der Arbeitsgesellschaft“ soll demnach die Lösung der demografischen Herausforderungen sein.[19] Dass dieses Argument auf den ersten Blick plausibel erscheinen mag, liegt in einem weit verbreiteten Missverständnis vom Sinn und Zweck kapitalistischer Produktion begründet. Diese erfolgt nämlich durchaus nicht, wie weithin unterstellt wird, zum Zweck der Befriedigung konkreter sinnlicher Bedürfnisse, sondern allein zur Verwandlung von Geld in immer mehr Geld durch die Produktion und den profitablen Verkauf von Waren. Eben weil das so ist, führt aber eine höhere Produktivität nicht schon automatisch zu mehr Wohlstand für alle, sondern lediglich für die Kaufkräftigen. Und deren Zahl nimmt in der Gesellschaft in dem Maße ab, in dem die gestiegene Produktivität (wie sich heute eben zunehmend abzeichnet) Arbeit und damit die Grundlage der Kaufkraft des größten Teils der Weltbevölkerung in großem Maßstab aus dem Produktionsprozess eliminiert. Die Folge daraus kann nur eine Überproduktionskrise sein – ein Phänomen, das im Kapitalismus bisher stets und systemimmanent folgerichtig zur Stilllegung produktiver Kapazitäten geführt hat und nicht etwa zur „gerechten Verteilung“ der produzierten Überschüsse. Eine ständig steigende Produktivität wird unter kapitalistischen Prämissen daher zu allem Möglichen führen, aber nicht dazu, dass eine immer kleinere Gruppe von Arbeitenden eine immer größere Gruppe von Nicht-Arbeitenden mitversorgen kann – besonders nicht in der manifest werdenden „Krise der Arbeitsgesellschaft“.[20]
Politik und Gerontologie befinden sich angesichts dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen also in einer geradezu aporetischen Situation: All die konstruierten und propagierten Problemlösungsstrategien und Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels entbehren im Prinzip schon heute, jedenfalls aber in naher Zukunft jeder Grundlage. Denn diese Grundlage ist nun einmal Arbeit – und eben diese wird in absehbarer Zeit Mangelware sein, wenn die Arbeitswelt auch nur annähernd in dem Maße automatisiert wird, wie es einschlägige Studien für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vorhersagen. Dies mag in der Gegenwart noch schwer vorstellbar sein, weil uns die größten Automatisierungsschübe erst noch bevorstehen. In zehn bis zwanzig Jahren, wenn man den Prognosen Glauben schenkt, wird sich die Situation schon ganz anders darstellen. Wenn Karl Marx mit seiner These vom „prozessierenden Widerspruch“ des Kapitals recht hatte, wird sich dann wahrscheinlich auch ganz allgemein die Frage nach dem weiteren Schicksal der modernen Gesellschaft stellen, und zwar in noch weit dringlicherer Form, als dies heute ohnehin bereits der Fall ist angesichts einer wachsenden Instabilität der Weltwirtschaft, Staatsverschuldung, ökologischer Krise, Verelendung ganzer Weltregionen, weltweit zunehmender Fluchtbewegungen etc. Abhängen wird also voraussichtlich alles davon, ob die Menschen in absehbarer Zeit in der Lage sein werden, auch eine andere Form der Vergesellschaftung zu denken als eine kapitalistische, deren historisches Entwicklungspotenzial sich heute offenkundig erschöpft: Eine Arbeitsgesellschaft ohne Arbeit ist nicht nur logisch, sondern auch real am Ende. Es wird daher die Frage nach möglichen Alternativen zum Kapitalismus zu stellen sein.
Systemimmanent werden sich die mit dem demografischen Wandel verbundenen Probleme, ebenso wie die „Krise der Arbeit“, nicht mehr lösen lassen – diese können nur noch im Sinne eines permanenten Krisenmanagements verwaltet werden. Die Altersaktivierung, auf die sich Politik und Wissenschaft nunmehr zur demografischen Krisenverwaltung verständigt haben, wird dabei mit Fortschreiten der Krise zunehmend repressiven Charakter annehmen. Schon die früher begonnene Aktivierung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern hat ja von Anfang an offen repressive Züge getragen – siehe prominent die Sozialreformen in den USA unter Bill Clinton (vgl. Zinn 2007, S. 631–662; Wacquant 2009, S. 61–130) oder das Hartz-IV-Programm in Deutschland (vgl. Rentschler 2004; Butterwegge 2015). Damit ist freilich nicht gesagt, dass es nicht nach wie vor gewisse politische Gestaltungsspielräume in der Verwaltung der Krise gibt und sich Maßnahmen und Strategien im internationalen Vergleich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden werden. Es wird sich dabei allerdings nur um äußerst minimale Spielräume handeln können, die letztlich nur auf unterschiedliche Ansätze und Strategien der Krisenverwaltung selbst verweisen, nicht aber auf eine Lösung des zugrunde liegenden Problems gerichtet sein werden. So wird die Lösung des Problems nicht darin bestehen, wie gelegentlich angedacht wird, die durch fortschreitende Digitalisierung bewirkte Massenarbeitslosigkeit durch eine „Maschinensteuer“ oder „Automatisierungsdividende“ zu kompensieren – so hoch kann eine Maschinensteuer wahrscheinlich gar nicht veranschlagt werden, wie es erforderlich wäre, um die durch Massenarbeitslosigkeit verursachten sozioökonomischen Verwerfungen sozialstaatlich auszugleichen (dass eine Steuer von solchem Umfang „die Wirtschaft“ unmittelbar abwürgen würde, steht dabei wieder auf einem ganz anderen Blatt). Ebenso wenig wird sich das Problem dadurch lösen lassen, wie ebenfalls häufiger vorgeschlagen wird (z.B. Sennett 2014), die stetig schwindende Arbeit gesellschaftlich umzuverteilen, um so die Effekte der Krise der Arbeit, allen voran Massenarbeitslosigkeit, zu mildern oder überhaupt zu verhindern – und all das möglichst auch unter Berücksichtigung älterer Menschen, beispielsweise in einer Umverteilung der Arbeit von jüngeren Menschen hin zu älteren (vgl. Vaupel/Kistowski 2006). Denn eben genau darin besteht ja das Problem: Wenn die Arbeit in dem Maße wegrationalisiert wird, wie es diverse Studien zur „Zukunft der Arbeit“ prognostizieren, gibt es im Grunde nichts mehr umzuverteilen. Eine Umverteilung der Arbeit könnte in dieser Situation nur noch darin bestehen, die Arbeitszeit mittelfristig kollektiv und radikal auf ein Niveau abzusenken, auf dem wohl niemand mehr von seiner Arbeit leben könnte, weshalb dies auch nichts an den mit der Krise der Arbeit assoziierten sozialen Verwerfungen ändern würde. Schon die heute allseits beklagte neoliberale Prekarisierung von Arbeit lässt sich im Prinzip als Konsequenz einer politischen Umverteilung von Arbeit verstehen, durch die die sukzessive schwindende Arbeit auf eine größere Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verteilt wird – durch die Ausweitung von Teilzeitarbeit, Minijobs, Leiharbeit und dergleichen. Dass dies zumindest ein wesentlicher Effekt entsprechender Entwicklungen und damit assoziierter politischer Programme (Hartz IV etc.) ist, wird selbst von wissenschaftlichen Befürwortern solcher Maßnahmen offen eingeräumt (vgl. Herzog-Stein/Stein 2013). Nicht zuletzt aus diesem Grund dürfte es auch am wahrscheinlichsten sein, dass es mit Fortgang der Krise der Arbeit bei jener Entwicklungstendenz bleibt, die sich ohnehin bereits seit Jahren abzeichnet: nämlich Arbeitslosigkeit und Prekarisierung für einen immer größeren Teil der Bevölkerung, hingegen tendenzielle Verlängerung der Arbeitszeit und zunehmende Arbeitsverdichtung und Leistungshetze für die noch voll im Erwerbsprozess Befindlichen.
Mit Blick auf die politische Verwaltung des demografischen Wandels wird es daher in Ermangelung anderer systemimmanenter
Problemlösungsansätze überwiegend darauf hinauslaufen, dass Pensionsansprüche immer weiter reduziert[21] und Pensionsantrittsalter stetig erhöht werden, was aufgrund fehlender Arbeitsplätze für zahlreiche ältere Menschen nichts anderes als Arbeitslosigkeit und Altersarmut bedeuten wird. Möglicherweise werden dann auch unmittelbar Hartz-IV-ähnliche Maßnahmen Anwendung auf die wachsende Masse älterer Arbeitsloser finden, zum Beispiel Ein-Euro-Jobs. Die Förderung eines „bürgerschaftlichen Engagements“ ist ja ohnehin bereits fester Bestandteil aktivierender Alterspolitik. In letzter Instanz könnte vielleicht eine Art bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden, wie es einstweilen noch in gesellschaftskritischen Kontexten als Bestandteil einer emanzipatorischen Reformpolitik verhandelt wird (z.B. Franzmann 2010), dies allerdings auf niedrigstem Niveau und als Ersatz für alle sonstigen Sozialleistungen sowie Alterspensionen, die dann radikal gestrichen sein werden.[22] Denkbar wäre schließlich sogar, dass sich als Effekt der repressiven Krisenverwaltung mit dem Fortschreiten der „Krise der Arbeit“ die Problematik des demografischen Wandels, im Sinne einer gesellschaftlichen „Überalterung“, mittelfristig ganz von selbst erledigt, wenn nämlich im Zuge der sozialen Verwerfungen die Mortalität in der Bevölkerung wieder ansteigt und dadurch die hohe Lebenserwartung, die heute einerseits als große Errungenschaft der modernen Zivilisation gepriesen, andererseits als Bedrohung für das soziale Sicherungssystem beklagt wird, tendenziell wieder in eine Sinkbewegung übergeht. Auch das kündigt sich heute schon in vielen Studien als durchaus realistisches Szenario an, wenn auf eine eklatante soziale Ungleichheit der Lebenserwartung hingewiesen wird, die vor allem in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren neoliberaler Restrukturierungen massiv zugenommen hat (vgl. Olshansky et al. 2012). Insofern könnte das „aktive Altern“ also unter Umständen am Ende doch noch „erfolgreich“ sein in der Bewältigung des demografischen Wandels – aber zu welchem Preis?
Für Gerontologen und insbesondere Alterssoziologen wird sich zunehmend die Frage stellen (müssen), ob sie bereit sind, für diese Form des demografischen Krisenmanagements, für das sie einstweilen noch überwiegend mit großem Engagement – und die meisten von ihnen bestimmt auch mit guten Absichten – das Grundlagenwissen bereitstellen, wirklich die Verantwortung tragen wollen. Und eine andere Alternative als die zunehmend repressive Krisenverwaltung wird der Politik schlicht nicht zur Verfügung stehen, wenn der Kapitalismus in seinem selbstmörderischen Produktivitätswahn damit fortfährt, seine eigene Substanz, die Arbeit, in großem Maßstab aus dem Produktionsprozess zu eliminieren und einen immer größeren Teil der Menschheit in ein Heer von ökonomisch „Überflüssigen“ zu verwandeln, die mit der Arbeit zwangsläufig (jedenfalls unter kapitalistischen Bedingungen) auch ihrer Lebensgrundlage beraubt sind. Wie die Politik mit wirtschaftlich „Überflüssigen“ verfährt – und zwar ganz demokratisch – kann schon jetzt, beim aktuellen Stand der „Krise der Arbeit“, auf der ganzen Welt besichtigt werden: bürokratische Drangsalierung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern bis hin zur staatlichen Zwangsarbeit in Form von Ein-Euro-Jobs (vgl. Rentschler 2004; Butterwegge 2015), zunehmende strafrechtliche Repressionen gegen Arme, Bettelnde und andere gesellschaftliche „Problemgruppen“ (vgl. Wacquant 2009; Stückler 2020), eine zusehends zur Menschenjagd ausartende Verfolgung illegaler Migrantinnen und Migranten, die radikale Verschärfung von Asylgesetzen im Zuge einer vorangetriebenen Abschottungspolitik gegenüber den weltweit ansteigenden Fluchtbewegungen (vgl. Kurz 2016) etc. Und zu dieser politisch zu verwaltenden Gruppe von „Überflüssigen“ werden in Zukunft auch und gerade ältere Menschen an vorderster Stelle gehören, wenn sich ihre „Aktivierung“ respektive Integration in den Arbeitsmarkt in Ermangelung von Arbeit als nicht realisierbar erweisen sollte. Anders als ihre traditionelle, eher latente „Überflüssigkeit“ als Ruheständler und Rentenbezieher, die sie bislang in den Status von „Unproduktiven“ und einer „gesellschaftlichen Kostenlast“ versetzte, zugleich aber immerhin mit einem Mindestmaß an sozialer Sicherheit und einem erwerbslosen Einkommen verbunden war (dazu Stückler 2024, S. 95ff.), wird diese „Überflüssigkeit“ jedoch eine manifeste sein. Und es ist nicht nur zu befürchten, sondern durchaus anzunehmen, dass sich dies dann in einer massiven Zunahme von Altersfeindlichkeit niederschlagen wird.
Schon heute wird der Ton gegenüber älteren Menschen zunehmend rauer: Mittlerweile scheint selbst in manchen linksliberalen Kreisen ein Altersbild en vogue zu sein, das alte Menschen als zunehmende „Gefahr“ für die Jungen rahmt. Aus dieser Sicht sollen die Alten nicht nur am demografischen Wandel und den damit assoziierten gesellschaftlichen Problemen schuld sein, sondern auch ganz allgemein an der rasch voranschreitenden Prekarisierung von Lebensverhältnissen oder auch am Klimawandel.[23] Selbst in den auf den ersten Blick sympathischen Jugendprotesten im Kontext des Klimawandels (Fridays for Future etc.) ist zumindest ein latent altersfeindliches Grundmuster zu erkennen, insofern diese die Klimaproblematik bevorzugt als eine Art Generationenkonflikt rahmen. Demnach sind es in erster Linie die Alten oder Erwachsenen, die mit ihrem ökologisch destruktiven Handeln und ihrer politischen Untätigkeit der Jugend gewissermaßen die Zukunft rauben („Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“). Gerade die weiter zunehmenden neoliberalen Prekarisierungstendenzen scheinen ein beträchtliches intergenerationales Konfliktpotenzial zu bergen, das bis dato unterschätzt wird. Auch innerhalb einer sich kritisch verstehenden Gerontologie herrschen eher sogar Argumentationsmuster vor, die solche Entwicklungen als Argument gegen die Deutung des demografischen Wandels als eines bevorstehenden „Generationenkonflikts“ verwenden zu können glauben. Demnach seien aktuelle Prekarisierungstendenzen und die massiv aufgehende Schere zwischen Arm und Reich nämlich ein Hinweis darauf, dass die Konfliktlinie heute weniger entlang intergenerationaler als vielmehr entlang intragenerationaler Ungleichheiten verlaufe (so z.B. Higgs/Gilleard 2010; ähnlich auch Lessenich 2014, S. 452). Oberflächlich betrachtet mag das sogar stimmen. Aber wer könnte garantieren, dass daraus nicht auch ein intergenerationaler Konflikt wird, wenn einer stetig wachsenden Gruppe prekarisierter junger Menschen lauter gut gesicherte (oder jedenfalls als gut gesichert wahrgenommene) Alte gegenüberstehen? Bei aller notwendigen Kritik an der Einseitigkeit verbreiteter „Generationenkriegs“-Prophezeiungen erscheinen diese dennoch manchmal als erheblich realistischer als die Positionen ihrer Kritiker. So stellte der Soziologe Reimer Gronemeyer bereits 1989 fest: „Die Woopies (well-off-older-People) von heute sind die erste und letzte Generation, die sich dem Rausch des Wohlfahrtsstaates und des ungebremsten Konsums hingeben kann. Die Alten werden künftig eher als gierige Greise, als unersättliche Parasiten erscheinen. Der Boden ist bereitet für den Altersklassenkampf.“ (Gronemeyer 1989, S. 125) Die seither stattgefundene Entwicklung – voranschreitende Prekarisierung auf der einen Seite, zunehmende Diskurse einer „gesellschaftlichen Überalterung“ und steigenden „Kostenlast des Alters“ auf der anderen Seite – scheint Gronemeyer recht zu geben. Die Frage lautet also nicht: intergenerationale oder intragenerationale Ungleichheit. Sondern zunehmende intragenerationale Ungleichheiten erweisen sich als zusätzlich problemverschärfender Faktor eines mit dem demografischen Wandel potenziell brüchig werdenden Intergenerationenverhältnisses. Eine kritische Analyse sollte daher das Zusammenwirken beider Tendenzen untersuchen, anstatt sie gegeneinander auszuspielen.
Selbst innerhalb der oberflächlich so „altersfreundlich“ gesinnten Gerontologie werden die Bandagen zunehmend härter. Hier wird mittlerweile offen ausgesprochen, dass ein „aktives Altern“ durchaus nicht nur ein individuelles Recht, sondern nicht zuletzt auch eine Verpflichtung sei, die dem Einzelnen ohne Weiteres abverlangt werden dürfe. So heißt es etwa im sechsten bundesdeutschen Altenbericht aus dem Jahr 2010: „Das für jeden einzelnen älter werdenden Menschen bestehende Recht, Potenziale zu entwickeln, korrespondiert auch für jeden einzelnen Menschen – im Rahmen der jeweils bestehenden Möglichkeiten – mit Pflichten, nicht nur gegenüber der eigenen Person, sondern auch gegenüber der Gemeinschaft.“ (BMFSFJ 2010, S. 21) Noch deutlicher formuliert es Ursula Lehr, eine der renommiertesten deutschen Gerontologinnen und ehemalige deutsche Familienministerin: „Aktiv zu altern ist heute geradezu Verpflichtung“ (Lehr 2011, S. 11). Noch vor relativ kurzer Zeit war eine Pflicht zum „aktiven Altern“ im alterswissenschaftlichen Diskurs allenfalls eine minoritäre Extremposition (zum Beispiel Tews 1994), heute wird sie zunehmend mehrheitsfähig und ziert die Papiere wissenschaftlicher Expertengremien. Sogar die Hochaltrigen, die Über-Achtzigjährigen, – vor Kurzem noch als Pflegebedürftige und Gebrechliche im Blickfeld – haben die „Altersaktivierer“ allem Anschein nach mittlerweile im Visier (vgl. BMFSFJ 2010, S. 70 f.). Der demografische Sachzwang scheint demnach den Handlungsdruck bereits empfindlich zu erhöhen. Was wird erst sein, wenn sich die ins „aktive Altern“ gesetzten Hoffnungen mangels „Arbeitssubstanz“ in naher Zukunft allesamt als haltlos herausstellen? Möglicherweise werden dann auch so offen menschenverachtende Minderheitspositionen wie die der britischen Medizinethikerin(!) Mary Warnock nicht mehr ganz so in der Minderheit sein, die im Jahr 2004 in einem Zeitungsinterview in der Sunday Times folgende, quasi sozialethische Empfehlung an alte Menschen abgegeben hat: „the frail and elderly should consider suicide to stop them becoming a financial burden on their families and society“ (vgl. Stückler 2024, S. 180). Wird älteren Menschen nicht eigentlich heute schon in all den demografischen Überalterungsdiskursen mehr oder weniger, zumindest implizit, das Lebensrecht abgesprochen? Was erwartet uns, wenn der demografische Druck noch größer wird, weil die politischen Bewältigungsstrategien nicht greifen? Womöglich brennen dann irgendwann nicht mehr nur Asylantenheime, sondern auch Altersheime, wie es einstweilen als dystopische Perspektive zum Glück nur in der literarischen Fiktion aufscheint (vgl. Atwood 2014). Es ist vermutlich keine zufällige Koinzidenz, dass nahezu zeitgleich zur Demografiedebatte in den letzten Jahren zunehmend auch wieder Diskussionen über Sterbehilfe und Euthanasie salonfähig geworden sind (vgl. Loenen 2014). Nicht auszudenken, was uns bevorstehen könnte, wenn dieser Diskurs mit absehbarer Fortdauer der demografischen Problematik weiter an Fahrt gewinnt.
All das sind einstweilen freilich noch Überlegungen von eher spekulativer Natur. Die genaue Verlaufsform der „Krise der Arbeitsgesellschaft“ und die konkreten gesellschaftlichen beziehungsweise politischen Reaktionen darauf lassen sich heute noch nicht verlässlich vorhersagen. Was sich aber erkennen lässt, ist eine gesamtgesellschaftliche Tendenz, und die ist mehr als deutlich: Die Digitalisierung und Automatisierung wird Arbeitsplätze in bisher unbekannter Größenordnung vernichten; all das – daran lassen sämtliche Studien und Prognosen zur „Zukunft der Arbeit“ kaum einen Zweifel – in einem Zeithorizont, der höchstens noch in einigen wenigen Jahrzehnten zu bemessen ist. Vor diesem Hintergrund könnten sich die oben angestellten spekulativen Überlegungen sehr bald als deutlich realistischer erweisen als die zahlreichen Konzepte, Strategien und Expertisen von Alterswissenschaftlern, die davon ausgehen, die Herausforderungen einer „alternden Gesellschaft“ durch Arbeit bis ins hohe Alter lösen zu können.
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Endnoten
[1] „European Year for Active Ageing and Solidarity between Generations 2012“, ec.europa.eu
[2] Laut einer Prognose von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, aus dem Jahr 2016 soll sich der Anteil von Menschen über 65 in der EU von 18,9 Prozent im Jahr 2015 auf 23,9 Prozent 2030 und 28,4 Prozent 2060 erhöhen. Besonders stark wird dabei der Anteil der Hochaltrigen, d.h. der 80- und Mehrjährigen, zunehmen. Deren Anteil an der Bevölkerung soll sich voraussichtlich bis 2060 von 5,3 Prozent (2015) auf 11,8 Prozent mehr als verdoppeln.
[3] Siehe hierzu im deutschsprachigen Raum besonders prominent die von der deutschen Bundesregierung in Auftrag gegebenen und von einer wissenschaftlichen Expertenkommission verfassten „Altenberichte“, in denen ein „aktives Altern“ in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sukzessive zur zentralen Lösungsstrategie angesichts der anstehenden demographischen Herausforderungen aufgebaut wurde (vgl. BMFSFJ 2001, 2006, 2010).
[4] Zwar erscheint die Schaffung ausreichender Arbeitsplätze durchaus regelmäßig in der Diskussion als notwendige Voraussetzung für einen längeren Verbleib der Menschen in der Erwerbsarbeit im Sinne eines „aktiven Alterns“: „[E]xtending working lives can only be achieved if more jobs suitable for older workers are created“ (Macnicol 2008, S. 591). Was dabei in der Regel jedoch nicht thematisiert wird, ist, ob wiederum für die hinreichende Schaffung von Arbeitsplätzen die gesellschaftlichen und ökonomischen Voraussetzungen gegeben sind. Dies erscheint quasi als (potentiell realisierbare) Handlungsanweisung von wissenschaftlichen Experten an die Adresse der politischen Entscheidungsträger hinsichtlich der Bewältigung des demographischen Wandels.
[5] Siehe dazu auch meine ideologiekritische Analyse der Active-Ageing-Programmatik (Stückler 2016).
[6] Die konkrete Beschaffenheit des hier behaupteten Sachzwangcharakters des demographischen Wandels wird gerade in der anstehenden Diskussion der „Krise der Arbeit“ noch sehr deutlich werden.
[7] „OECD-Studie: Maschinen statt Menschen“, oe1.orf.at (8.4.2017)
[9] Hierzu auch ein internationales Beispiel: Allein zwischen 1995 und 2002 haben die zwanzig größten Volkswirtschaften der Welt mehr als 31 Millionen Industriearbeitsplätze verloren. Hingegen ist im selben Zeitraum die globale Industrieproduktion um 30 Prozent gewachsen (vgl. Konicz 2016, S. 30).
[10] Amtliche Arbeitslosenstatistiken sind sehr unzuverlässige Datenquellen, wenn es darum geht, einen realistischen Überblick über die tatsächliche Arbeitsmarktsituation zu gewinnen. Deren Aussagekraft hängt bereits wesentlich davon ab, wie Arbeitslosigkeit definiert und operationalisiert wird. So gilt etwa laut Eurostat eine Person im Alter von 15 bis 74 Jahren als erwerbslos, wenn sie in der Berichtswoche der Erhebung ohne Arbeit ist, innerhalb von zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen könnte und in den vergangenen vier Wochen aktiv eine Arbeit gesucht hat. Vor allem Letzteres ermöglicht es, Arbeitslose aus der Statistik herausfallen zu lassen, etwa indem man sie in Schulungen steckt oder sie als Frührentner deklariert. Auch Arbeitslose, die sich mangels Jobchancen aus dem System zurückziehen, werden hier nicht erfasst. Es ist daher davon auszugehen, dass amtliche Erwerbslosenquoten die tatsächliche Arbeitslosigkeit massiv unterschätzen.
[11] Für jede andere Gesellschaftsform wäre freilich der Wegfall der Arbeit geradezu ein Segen. Nur für eine Gesellschaft wie die warenproduzierende, die von der geldförmigen Verwertung von Arbeit lebt und auf ein Stocken des Verwertungsprozesses stets mit Wirtschaftskrisen und der Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten reagiert, stellt sich das Verschwinden der Arbeit als schwerwiegendes Problem dar. Auch deshalb wird wohl heute die Arbeit wieder so intensiv beschworen, wie schon lange nicht mehr, obwohl – oder vielmehr: gerade weil – sie in Zeiten der Digitalisierung gesellschaftlich obsolet zu werden droht. Bereits Hannah Arendt bezeichnete die Aussicht auf eine kapitalistische Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht, als geradezu verhängnisvoll, da dieser damit gleichsam die einzige Tätigkeit ausgehe, auf die sie sich überhaupt noch verstehe (Arendt 2005, S. 13).
[12] Wer sich diesen Prozess der sukzessiven Verschiebung im Verhältnis von Produktivität und Arbeitsintensität etwas genauer veranschaulichen möchte, braucht im Grunde nur einen Blick auf die Beschäftigtenzahlen in einer der bis heute wichtigsten kapitalistischen Schlüsselindustrien zu werfen: der Autoindustrie. In der Slowakei beispielsweise, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zur „verlängerten Werkbank“ westlicher Autokonzerne aufgestiegen, werden heute, dank des hohen Automatisierungsgrades, massenhaft Autos für den Export bei einem vor einigen Jahren noch unvorstellbaren Minimum an Beschäftigten gefertigt. Tomasz Konicz beschrieb die Situation bereits 2011 wie folgt: „Bei Kia arbeiten gerade mal 2.800 Arbeitskräfte, die jährlich 210.000 nahezu ausschließlich für den Export bestimmte Fahrzeuge fertigen. Volkswagen wiederum beschäftigte 6.500 Arbeiter, die einen Umsatz von nahezu drei Milliarden Euro erwirtschafteten. In seinem Werk in Trnava lässt PSA Peugeot Citroën hingegen bis zu 300.000 Fahrzeuge jährlich von 3.000 Lohnabhängigen fertigen. Selbst unter Berücksichtigung von Tausenden von Lohnabhängigen, die noch bei den Zulieferbetrieben der Automobilhersteller in der Slowakei arbeiten, generierte dieser Automobilcluster […] vor Krisenausbruch [2008, A.S.] eine Beschäftigtenzahl von 74.000 Lohnarbeitern [...]“ (Konicz 2011, S. 92). Trotz einer europaweit einmaligen Dominanz des Fahrzeugbaus hält die enorme Produktivität durch Automatisierung der Produktion die Slowakei „weit von dem Zustand einer Vollbeschäftigung“ (ebd.).
[13] Gerade die Produzenten digitaler Technologien träumen davon, in absehbarer Zeit die Produktion vollständig automatisieren zu können. Der Technikkonzern Foxconn zum Beispiel, einer der weltweit größten Fertigungsbetriebe für elektronische Produkte und mit mehr als einer Million Beschäftigten der größte private Arbeitgeber in China, hat vor einigen Jahren mit der Meldung aufhorchen lassen, demnächst ganze Fabriken völlig automatisieren zu wollen („iPhone-Bauer will Mitarbeiter durch Roboter ersetzen“, spiegel.de, 31.12.2016).
[14] Die Thesen von Kurz zur finalen Krise des Kapitalismus in der bzw. durch die „Krise der Arbeit“ sind speziell im akademischen Kontext äußerst umstritten und haben seit ihrer ersten Formulierung in den 1980er Jahren viel Widerspruch und Kritik erfahren, die allerdings – wie Claus Peter Ortlieb (2009, S. 24) in einer instruktiven Rekapitulation der einschlägigen Diskussion etwas polemisch, aber zutreffend feststellt – „großenteils schon deswegen nicht ernst zu nehmen ist, weil sie – den eigenen, eingefahrenen Gleisen folgend – die dort vorgetragene Argumentation gar nicht erst zur Kenntnis nimmt.“ Hierher gehören etwa selbst in einer marxistisch-werttheoretischen Tradition stehende Wissenschaftler wie z.B. Michael Heinrich, der die steigende Produktivität und die damit verbundene tendenzielle Eliminierung von Arbeit aus dem Produktionsprozess – praktisch völlig an der Argumentation von Kurz vorbei – nicht als „logische und historische Schranke“ des Kapitalismus und systemimmanentes Krisenpotenzial, sondern im Gegenteil als notwendige Grundlage einer gesteigerten Mehrwertproduktion auffasst (vgl. Heinrich 2005a, 2005b, S. 177). Andere denunzieren wiederum die Kurz’sche Krisentheorie schon von vornherein als fatalistisch und rücken derartige theoretische Überlegungen gar in die Nähe eines Weltuntergangssektierertums, ohne sich auf eine nähere inhaltliche Auseinandersetzung überhaupt einzulassen (vgl. Ebermann/Trampert 1995, S. 51; Resch/Steinert 2009, S. 269). Auch der vorhin erwähnte, weit verbreitete Reflex, die „Krise der Arbeit“ unter Verweis auf die arbeitschaffenden Effekte früherer industrieller Revolutionen (selbst gegen alle mittlerweile gegebene empirische Evidenz) schlicht zu leugnen, wäre hier zu nennen. Aus Platzgründen kann auf diese Kontroversen rund um die Krisentheorie in diesem Text nicht näher eingegangen werden.
[15] Diese win-win-Argumentation zieht sich praktisch wie ein roter Faden durch die gesamte alterswissenschaftliche Literatur der letzten Jahre (vgl. exemplarisch Staudinger/Schindler 2002; Amann 2006; Fangerau et al. 2007; Kruse 2010; ebenso die bereits erwähnten bundesdeutschen Altenberichte, BMFSFJ 2001, 2006, 2010).
[16] Einmal davon abgesehen, dass die Altersarmut ohnehin, vor allem für Frauen, niemals restlos verschwunden war (vgl. Butterwegge/Hansen 2012).
[17] Das ist aber ohnehin nur einer von vielen kapitalistischen Widersprüchen dieser Art. Der Kapitalismus zerstört ja auch ökologisch beharrlich seine eigenen Lebensgrundlagen (ökologischer Raubbau, Umweltverschmutzung, Treibhausgase etc.).
[18] Wenngleich die Automatisierung der Pflege bislang an den damit verbundenen hohen Kosten zu scheitern scheint. Das heißt aber selbstverständlich nicht, dass die Gefahr der Arbeitsplatzrationalisierung in der Pflege damit gebannt ist. Vor allem aber folgt daraus nicht, dass deshalb mit einer groß angelegten „Arbeitsplatzoffensive“ in der Pflege gerechnet werden kann. Und wenn doch, fragt sich immer noch, zu welchen Bedingungen. Die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Pflege sind ja schon heute kaum zumutbar, weder dem Pflegepersonal, noch den Gepflegten. Und auch deren Verbesserung scheitert nicht zuletzt am damit verbundenen Kostenproblem.
[19] Ähnliche Überlegungen zirkulieren freilich auch innerhalb des wissenschaftlichen Mainstreams. Hier findet sich das Produktivitäts-Argument vor allem in der Form, dass die Abnahme gesellschaftlich verfügbarer Arbeitskraft infolge des demografischen Wandels durch eine entsprechende Steigerung der Arbeitsproduktivität kompensiert werden müsse (vgl. Arnds/Bonin 2003; Börsch-Supan 2009).
[20] In Marx‘schen Begrifflichkeiten ausgedrückt, besteht das Problem derartiger Argumentationen darin, dass sie „abstrakten“ und „wirklichen“ bzw. „stofflichen Reichtum“ konfundieren und quasi in eins setzen (vgl. Ortlieb 2009, S. 27ff.). Im Kapitalismus zählt laut Marx allein der abstrakte Reichtum, d.h. der durch die Produktion und den Verkauf von Waren erzielte Mehrwert. Das ist aber natürlich etwas qualitativ völlig anderes als der konkrete, stoffliche Reichtum, den die hergestellten Produkte als Gebrauchsgegenstände repräsentieren. Auf diesen kommt es hingegen im Kapitalismus überhaupt nicht an, weshalb auch jede „wirtschaftliche Tätigkeit, die keinen Mehrwert verspricht, unterbleibt, auch wenn sie noch so viel stofflichen Reichtum hervorbringen würde“ (ebd., S. 28).
[21] Dies ist ein Prozess, der längst auf Hochtouren läuft. In Deutschland etwa ist das Rentenniveau seit 1990 von 55 Prozent des durchschnittlichen Jahresgehalts auf 48,2 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Bis 2036 soll nach den Plänen der Bundesregierung das Rentenniveau weiter auf 44,9 Prozent abgesenkt werden (Entwicklung des Netto-Rentenniveaus vor Steuern 1990-2035/2036,
sozialpolitik-aktuell.de, Stand 1.12.2025).
[22] Nicht von ungefähr ist das bedingungslose Grundeinkommen ursprünglich eine durch und durch neoliberale Idee. Einer seiner ersten Fürsprecher war der Schutzpatron des Neoliberalismus Milton Friedman, der bereits 1962 in seinem Buch Capitalism and Freedom für eine „negative Einkommenssteuer“ als Mittel zur Schaffung eines Grundeinkommens plädierte, die sämtliche staatlichen Sozialleistungen ersetzen sollte.